Berlin Marathon 2019

Ich hatte ja immer wieder hin und her geschwankt, ob ich mal in Berlin starten sollte. Einerseits ist es natürlich DER Marathon in Deutschland, mindestens,  und wenn das Thema auf Marathonlaufen kommt, kommt auch immer gleich die Frage „und, schon in Berlin gelaufen?”. Andererseits ist mir der Hype um diesen Lauf fast schon zuviel und die Startgebühren sind ja auch nicht ohne, wenn man bei der Verlosung überhaupt einen bekommt. Dieses Jahr wurde mir die Entscheidung dann ganz einfach abgenommen: bei einer Verlosung des Titelsponsors einen Freistart gewonnen. Also dann auf nach Berlin!

Und es hat sich gelohnt. Trotz der Größe super organisiert, selbst die Ausgabe der Startnummern am Samstag bei ordentlichem Andrang ging relativ zügig. Und ganz Berlin scheint an diesem Wochenende nur aus Läufern (mit Anhang) zu bestehen. Das Starterfeld dann am Sonntag hat selbst nach bereits über 50 Marathonstarts noch für eine Gänsehaut gesorgt. Allein schon die Menge der Läufer ist überwältigend. Man steht auf der nicht gerade kleinen „Straße des 17. Juni“, blickt Richtung Siegessäule: alles voller Läufer. Man dreht sich um, erahnt hinten ganz klein das Brandenburger Tor und davor: Läufer!

Der Lauf selber ist dann leider etwas im Regen untergegangen, trotzdem war die Stimmung an der Strecke sehr gut (nur in Hamburg bei ähnlich schlechtem Wetter vielleicht noch ein bisschen besser). Trotzdem eine schöne Sightseeing-Runde durch Berlin. War ich vor dem Start noch etwas skeptisch aufgrund der vielleicht doch etwas zu weit vorne angesiedelten Startposition (hatte bei der Anmeldung meine Bestzeit angegeben), lief es dann eigentlich sehr gut. Ähnlich wie in Hamburg konnte man die ganze Zeit gut in der Menge mitschwimmen und merkte gar nicht, wie flott man eigentlich unterwegs ist, trotz gelegentlicher Fotostops. Am Ende sehr zufrieden mit einer Zeit noch gut unter 4h (vier Wochen vorher noch beim Fränkische Schweiz Marathon regelrecht eingegangen und erst mit über 5h ins Ziel gekrochen). Berlin ist auf jeden Fall eine Reise wert.

Rubjerg Knude-løbet 2019

Spontan-Marathon oder Unverhofft kommt oft!

Was macht man, wenn man im Urlaub merkt, dass nur etwa 10km vom Ferienort entfernt eine Laufveranstaltung stattfindet? Natürlich mitmachen, und dann nicht irgendeine Strecke sondern natürlich gleich die Marathondistanz. Und ganz unverhofft kommt man somit auch zu seinem ersten Auslandslauf. So geschehen heute bei mir in Nordjütland (DK) beim Rubjerg Knude Lauf.

Rubjerg Knude ist der höchste Punkt an der Steilküste zwischen Løkken und Lønstrup an der dänischen Nordsee und ein Muss bei jedem Besuch in dieser Gegend. Durch den vom Wind aus der Steilküste nach oben geblasenen Sand hat sich dort auch eine Wanderdüne gebildet. Ebenso befindet sich dort ein Leuchtturm, der bedingt durch die sich stetig verändernde Umgebung wechselhafte Zeiten hinter sich hat. Mittlerweile steht er so nahe an der Klippe, dass er in den nächsten paar Jahren ins Meer stürzen würde. Um dies zu verhindern soll er in den nächsten Monaten etwas ins Landesinnere versetzt werden. Hoffentlich geht alles gut!

Die Verlockung diese Düne im Rahmen eines Marathons erlaufen zu können (genau genommen sogar 2x, denn man läuft beim Marathon 2x die HM-Runde) war einfach zu groß und so ging es am Sonntag Morgen die paar km nach Hundelev, wo der Start des Laufes ist. Die Anmeldung war (auf englisch) in wenigen Minuten erledigt und auch zum Start-Ziel-Bereich war es dann nicht mehr weit. Hier war alles noch recht entspannt, man war noch in aller Ruhe mit den letzten Aufbauarbeiten beschäftigt. Nach und nach kamen auch mehr Läufer, ein paar erste kurze Gespräche und auch ein weiterer Teilnehmer aus Deutschland kam dazu.

Nach dem Start ging es zunächst über Schotterwege, Wiesen- und Waldwege und -Pfade Richtung Küste wo dann der erste Aufstieg zur Düne anstand. Nach einem kurzen Stück auf dem Kamm ging es zunächst wieder steil hinab und am Fuß entlang bis zum zweiten steilen Anstieg ganz hinauf um dann auf den in einer kleinen Senke stehenden Leuchtturm zuzulaufen. Direkt am Leuchtturm befand sich eine der zahlreichen Verpflegungsstellen, an denen man immer mit ein paar aufmunternden Worten empfangen wurde (nach „sorry, I don‘t understand“ wurde schnell auf englisch oder sogar deutsch gewechselt). Auf der anderen Seite vom Turm wieder die Düne hinauf und dann immer an der Steilküste entlang Richtung Norden. Der teilweise sehr schmale Weg führte mit vielen Windungen und einigem auf und ab durch dicht mit Sanddorn bewachsene Flächen zunächst zur ehemaligen Marup Kirche und dann durch die Ferienhausgebiete nach Lønstrup. Dort ging es dann wieder von der Küste weg, wieder an Ferienhäusern vorbei und dann zunehmend durch Wiesen und Felder, die letzten km (der ersten Runde) dann leider etwas eintönig entlang einer zum Glück wenig befahrenen Straße. Nach durchlaufen des Start-Ziel-Geländes dann dasselbe nochmal von vorne. Die einzigen Änderungen auf der zweiten Runde: ein paar langsamere HM-Läufer eingeholt (waren 2h nach uns gestartet), von hinten kamen irgendwann ein paar von den 14km-Läufern und vor allem ließen die Kräfte jetzt deutlich nach. Aber nach insgesamt 4h38min war es geschafft und im Ziel wartete eine sehr schöne Holzmedaille und als Zielverpflegung Eiscreme auf mich und bei den Pfadfindern konnte man sich noch einen gratis Pfannkuchen backen (was ich natürlich auch noch getan habe).

Alles in allem ein kleiner, sehr schöner, aber auch anstrengender Lauf (demzufolge mein bislang langsamster M). Das Wetter meinte es recht gut mit uns, angenehme Temperaturen, nur ein zwei kurze Schauern und wenig Wind, was uns besonders auf der Düne vor unangenehmem Sandflug bewahrte. Durch den Regen vom Vortag war der Sand auch nicht ganz so weich. Sonst wäre es wohl noch härter geworden.

Rennsteig Supermarathon 2019

Rennsteig Supermarathon zum Zweiten

Nach dem schweren Kampf (mit aufkommender Erkältung) im letzten Jahr sollte es dieses Jahr etwas besser werden. Unterkunft hatte ich wieder in Vesser bezogen, alte Bekanntschaften vom letzten Jahr wieder getroffen und neue gemacht: Grüße nach Hannover und nach Recklinghausen. Freue mich auf ein Wiedersehen!

Nach sehr kurzer und wenig erholsamer Nacht ging es dann um 3:00 mit dem Bus nach Eisenach, Abholung der Startunterlagen ging wieder relativ zügig. Um 6:00 nach dem obligatorischen Schneewalzer (der ist in Neuhaus allerdings stimmungsvoller) dann der Start. Ich wollte im Prinzip wieder die gleiche Taktik wie letztes Jahr laufen: am Anfang nicht zu schnell und vor allem in den Anstiegen nicht unnötig Kräfte vergeuden und lieber gehen als laufen. Nach einem kurzen Stück durch Eisenach schlängelt sich die Läuferschar dann den ersten Anstieg hinauf und bald geht es auf der Höhe in der Sonne dahin. Für mich ziemlich optimale Laufbedingungen. Zunächst vorbei am Burschenschaftsdenkmal und nach einigen km der schöne Blick zurück auf die Wartburg. Manchmal loht es sich auch durchaus mal nach hinten zu schauen. Ich fühl mich gut, bin aber auch nicht schneller als im letzten Jahr. Nach ca. 18 km dann die erste Verpflegungsstelle (Glasbachwiese) mit dem guten Rennsteigschleim. Wurde auch Zeit, so langsam bekomme ich Hunger.

Auch nach dem Anstieg zum Inselberg liege ich noch gleichauf mit der Zeit vom letzten Jahr. Der folgende steile Abstieg ist für mich einer der schlimmsten und unangenehmsten Abschnitte beim Supermarathon. Bei km 30 bin ich zwar im Vergleich immer noch nicht schneller, fühle mich aber deutlich besser. Erst bei der Getränkestelle Possenröder Kreuz (km 33,6) habe ich zum ersten mal ein paar Minuten „Vorsprung“ herausgelaufen, den ich aber zunächst nicht weiter ausbauen kann. Die km gehen dahin, bergauf wird gegangen, bergab mehr oder weniger schnell gelaufen. Man merkt doch so langsam die zurückgelegten km. Am Gustav-Freitag-Stein bei km 51,3 bin ich dann 10min früher als im Vorjahr. Und war mein Ziel damals zu diesem Zeitpunkt es zunächst mal irgendwie nach Oberhof zu schaffen, komme ich diesmal dort noch relativ gut an. Wie an den Stationen vorher erstmal gut stärken: Schleim, Schmalzbrot, Würstchen und auch Brühe. Schmeckt, tut gut und bisher vertrage ich auch das durcheinander sehr gut. Bis zum Großen Beerberg laufe ich in etwa das Tempo vom letzten Jahr. Das war auch das Stück wo ich eine Laufbegleitung mit entsprechender Unterhaltung hatte und von dieser etwas gezogen wurde. Dieses Jahr bleibt es bei kurzen Gesprächen zwischendurch.

Nach dem höchsten Punkt auf dem Rennsteig fing 2018 irgendwann das Unheil an: mit Kreislaufproblemen mehr oder weniger zur nächsten Verpflegungsstelle Schmücke (km 65) geschleppt. Diesmal laufe ich eigentlich ganz locker darauf zu, erreiche sie ca. 25min früher. Und wenn ich bedenke, dass ich dort letztes Jahr mehr als 20min zugebracht habe, da könnte ja noch was richtig gutes draus werden, vielleicht unter 10h. Das motiviert, von km zu km laufe ich mich in einen richtigen „flow“. Spätestens ab dem Punkt wo es hauptsächlich bergab geht, gibt es kein Halten mehr: mit km-Zeiten um die 6min fliege ich regelrecht dem Ziel entgegen. Noch mal ein kleiner Anstieg, noch mal beißen, dann ist es bald geschafft. Mit geballten Fäusten geht es auf die Zielgerade, was für ein Gefühl, sogar die 9h:50 knacke ich noch knapp. Medaille umhängen lassen, Getränk holen und erstmal das Ziel genießen. Noch ein paar Läufer abklatschen, die ich auf den letzten km überholt hatte und dann Kleiderbeutel holen und zur Dusche. Beinahe noch eine zweite Dusche abbekommen als ein kräftiger Schauer runterkommt, lieber noch ein wenig im Umkleidezelt warten. Gut dass mich das nicht mehr auf der Strecke erwischt hat.

Die nächsten Programmpunkte Läuferbier, Bratwurst, Urkunde und Finishershirt holen. Die Whatsapp-Nachricht nach Hause bleibt leider im völlig überlasteten Netz hängen. Und dann ist da ja noch die Läuferparty. Im Zelt die Läuferin aus Recklinghausen wieder getroffen, noch ein wenig gefeiert und dann irgendwann gemeinsam auf den Rückweg nach Vesser gemacht. Nach einem gemeinsamen Frühstück mit den anderen Läufern am Sonntag morgen relativ ausgeruht und in guter Verfassung wieder auf den Weg nach Hause gemacht.

Mein Fazit dieses Jahr: Ohne Erkältung läuft sich deutlich besser. Wenn man bedenkt, dass ich nicht gezielt auf den Lauf hintrainiere, sondern nur versuche regelmäßig zu laufen, bin ich mit meiner Zeit ziemlich zufrieden. Wenn ich noch etwas schneller werden möchte, dann muss ich das am ehesten auf dem Mittelteil herausholen, nicht so schnell ins Gehen verfallen und länger laufen können. Oder weniger Zeit an den Verpflegungsstellen verbringen, aber wer möchte das bei diesem Angebot schon. Da würde ja ein wesentlicher Punkt, der den Rennsteig so schön macht, verloren gehen.

Ach ja, und nächstes Jahr bin ich natürlich wieder dabei…

 

 

Hamburg Marathon 2019: Mein 50. Marathon!

Glückwunsch an alle, die gestern gelaufen sind, egal ob in Hamburg, Düsseldorf oder sonstwo.
Für mich stand gestern in Hamburg ein kleines Jubiläum an: mein 50. Marathon. Und obwohl ich mir dafür natürlich ein etwas besseres Wetter gewünscht hätte, war er einer meiner schönsten Läufe. Schöne Strecke und trotz des Wetters für mein Empfinden viele Leute und tolle Stimmung. Bei anderen Läufen hat man immer Abschnitte, an denen man sich ziemlich einsam vorkommt. Nicht so bei diesem Lauf. Hatte mir vom Ergebnis her nicht viel vorgenommen, nachdem vorher schon 3 Tage Sightseeing mit Familie angesagt waren. Einfach mitlaufen, zwischendurch ein paar Fotos machen und die Stimmung mitnehmen. Hat auch gut funktioniert, ein relativ entspannter Lauf, konnte fast die ganze Zeit einfach „mitschwimmen“ und bin am Ende mit gut 3h:50min sogar noch relativ deutlich unter 4h geblieben. Hamburg kann ich auf alle Fälle empfehlen. Wenn die Entfernung (aus Franken) dahin nicht so groß wäre, würde er ab sofort zu meinem Standardprogramm gehören. Aber irgendwann komme ich sicher wieder…

Mein erster Rennsteig Supermarathon

Durchhaltewillen oder Unvernunft?

Nach einer Woche Abstand hier nun mein Bericht über mein persönliches Auf und Ab beim diesjährigen Rennsteiglauf. Nachdem ich bisher 4x den kleinen (also den normalen Marathon) von Neuhaus aus gelaufen war, sollte es dieses Jahr also zum ersten Mal der lange Kanten werden. Vorbereitung war insgesamt für meine Verhältnisse normal, der große Kilometerfresser bin ich ja nie. Immerhin hatte ich schon drei Marathons dieses Jahr hinter mir und zuletzt insgesamt 36km beim MainCityRun in Schweinfurt gesammelt. Allerdings war ich in den drei Wochen seitdem gar nicht mehr gelaufen. Was mir in der Woche vor dem Rennsteig allerdings kurzfristig mehr Sorgen machte, war das leichte Kratzen in Nase und Hals, welches ich morgens teilweise gespürt hatte. Hoffentlich hatte ich mir nicht auch (wie mein Sohn) am Wochenende vorher doch einen kleinen Schnupfen eingefangen.
Am Freitag war davon allerdings nichts zu spüren und so machte ich mich am späten Nachmittag auf den Weg gen Schmiedefeld bzw. Vesser, wo ich mich für die Gemeinschaftsunterkunft im Offenstall angemeldet hatte. Ich wollte dieses Jahr auch zum ersten Mal nach dem Lauf noch in Schmiedefeld bleiben und die legendäre Läuferparty miterleben. Die Unterkunft war schnell gefunden und bezogen. Frühstück für die Läufer, die nach Eisenach mussten, sollte es zwar unerwarteter Weise nicht geben („Die wollten immer nix.“), aber ich hatte mir für den Notfall ein paar Riegel eingesteckt, das sollte dann bis zur ersten Verpflegungsstelle reichen. Noch schnell das mitgebrachte Abendbrot verzehrt und dann noch ein Bierchen für die nötige Bettschwere besorgt, wenn schon diesmal keine Kloßparty am Vorabend. Dabei noch einen Läufer aus Hannover kennengelernt und noch nett unterhalten. Gegen 22:00 war dann aber Bettruhe angesagt. Und es war wirklich relativ ruhig in der Unterkunft, da hatte ich bei der Übernachtung in der Schule in Neuhaus schon mehr Unruhe während der Nacht erlebt.
Um kurz nach 2:00 ging es dann aber schon wieder raus aus dem Schlafsack, um 3:00 fuhr der Bus nach Eisenach unterhalb des Offenstalls ab. Nach der Ankunft in Eisenach (~5:00) erstmal zur Startnummernausgabe. Das war allerdings schnell erledigt und so blieb noch genügend Zeit für die mitgebrachten Riegel und etwas zu trinken und zur Vorbereitung auf den Lauf. Start pünktlich um 6:00 und nach den ersten paar hundert Metern ging es dann auch gleich in die ersten Steigungen. Aber das war ja klar, bis zum großen Inselsberg bei km 25,5 geht es bergauf, teilweise auch recht steil. Was aber auch klar war: heute wird es warm, bereits nach wenigen km war ich völlig durchgeschwitzt. Einen wirklichen Plan oder ein richtiges Ziel hatte ich mir vorher nicht überlegt. Wie auch beim Marathon wollte ich es langsam angehen lassen und vor allem an den Steigungen nicht zu viele Kräfte lassen und lieber dann gehen. Zeitlich müsste es eigentlich für sub 10h reichen, wenn es gut lief vielleicht in die Nähe der 9h, meine Marathonzeiten lagen am Rennsteig immer bei etwas über 4h.
So gingen die ersten km dahin, vorbei am Burschenschaftsdenkmal, dann noch mal ein Blick zurück auf die Wartburg, die km Zeiten lagen zwischen 6:15 und 7:30min, je nach bergauf Anteil. Die Verpflegungsstellen wurden von Anfang an zum reichlichen Trinken genutzt und auch ein Becher Schleim musste wenn angeboten natürlich sein. Obwohl man doch eigentlich durch den Wald lief, waren auch immer wieder größere Abschnitte in der Sonne zurückzulegen, ich hätte mir doch eine Kopfbedeckung mitnehmen sollen. Das letzte Stück zum Inselsberg war wirklich steil, aber genauso schlimm und anstrengend empfand ich den dann folgenden steilen Abstieg. Spätestens da war mir klar, ganz einfach wird das heute nicht. Irgendwie fühlte ich mich bereits ziemlich schlapp, wobei es gar nicht mal schwere Beine oder müde Füße waren. Doch was von der Erkältung abbekommen? Aber erstmal ging es weiter. 30 km, oh weh, noch ein Marathon. Dann das Schild bei km 37: „Die Hälfte ist geschafft!“, puh, noch mal so viel. Mir kam es jetzt schon so vor, dass ich mehr wandere als laufe. An den Verpflegungspunkten wurde ausgiebig pausiert und sich mit verschiedenen Dingen gestärkt: Wasser (auch zum Abkühlen über den Kopf), Tee, Cola, Wienerle, Knacker,… und natürlich Schleim. Bis zum Grenzadler wirst du schon kommen.
Irgendwie ging es dann auch wieder, auch wenn die km-Zeiten bei Geheinlagen teilweise bei 10min oder mehr lagen. Zwischenzeitlich hatte es sich auch immer mal wieder etwas bewölkt und die Sonne brannte nicht mehr ganz so herunter. Am Grenzadler wieder etwas längere Pause und zur Stärkung eine Brühe, aber erstmal doch kein Gedanke an einen Ausstieg. Kurz darauf näherte sich von hinten ein Läufer mit den Worten „Aha, noch ein Mittelfranke!“ (ich habe meinen Wohnort auf meinem Laufshirt stehen). Das war für die nächsten km meine Rettung. Wir unterhielten uns zunächst über die DSGVO (ja, wirklich) um dann aber doch beim Thema Läufe und Lauferfahrungen zu landen. Wie sich herausstellte, waren wir so einige Strecken, vor allem im fränkischen Raum, beide schon gelaufen. So verging km um km, entweder im lockeren Trab oder zügig gehend, wenn es wieder etwas mehr bergauf ging. Den nächsten Höhepunkt, den großen Beerberg bei km 61,6, den höchsten Punkt des Rennsteigs, hätte ich völlig unbemerkt überlaufen, wenn mich mein Begleiter nicht darauf und das am Wegesrand stehende Schild aufmerksam gemacht hätte. Danach kam dann irgendwann ein längeres Stück in der nun wieder scheinenden Sonne und plötzlich merkte ich, wie mein Kreislauf begann mir etwas Probleme zu machen. Ich sagte, ich müsste mal etwas langsamer machen und ließ meine Laufbegleitung ziehen. Obwohl ich immer langsamer wurde, ließ das leichte Schwindelgefühl nicht nach und die Hände fingen leicht an zu kribbeln. Irgendwann musste doch demnächst mal wieder ein Verpflegungsstelle kommen. Immer langsamer schleppte ich mich fast schon dahin, eine vorbeikommende Läuferin spendierte mir ein paar Schlucke Wasser aus ihrem Trinkrucksack.
Und dann, nach gefühlt sehr langer Zeit, kam die Verpflegungsstelle Schmücke in Sicht. Erst mal an der Wasserschüssel abgekühlt, dann was zu trinken und etwas zu essen. Es gelang mir kaum, das Brot zu fassen. Zitternd und mit starkem Kribbeln in den Händen saß ich zunächst da. Ein anderer Läufer bot mir an, eine Bank auf die Wiese zu stellen, damit ich meine Beine hochlegen konnte. So lag ich dann zunächst einige Minuten, bis zumindest das Kribbeln nachließ. Ich schwankte innerlich zwischen „geh rüber zu den Sanis und geb auf, das hat keinen Sinn mehr“ und „komm, nur noch 8-9km, das muss doch noch zu schaffen sein“, fast schon ein wenig verzweifelt. Ein DNF hatte ich bislang noch nicht in meinen Ergebnissen, aber irgendwann muss es ja mal passieren. Erstmal wieder hinsetzen, immer noch leicht zitternd. Noch mal zum Verpflegungsstand, Cola und ein Nutella-Brot. Langsam wurde es wieder besser, aufstehen, ein paar Schritte gehen, noch was trinken. OK, könnte wieder gehen. Mit einem weiteren Becher Cola und einem Becher Schleim machte ich mich dann wieder auf den Weg. Kurz darauf vermeldete meine Uhr einen abgeschlossenen km: über 33min für den letzten! Aber es ging wieder weiter, ich konnte im weiteren Verlauf sogar wieder längere Stücke locker traben. Und es ging ja jetzt hauptsächlich bergab. Das 70km-Schild, dann 73, Schmiedefeld, der Zielkanal, im Ziel, geschafft! Schon lange nicht mehr so glücklich und erleichtert gewesen ins Ziel zu kommen. Zielzeit 10:52h, egal. Kurze Pause auf der Kleiderbeutelwiese, kurze Meldung an zu Hause, Finisher-Shirt und Urkunde abgeholt, dann zum Duschen. Danach mit dem Läuferbier und einer Bratwurst auf dem Sportplatz niedergelassen. Geschafft, durchgekommen, durchgekämpft.
Jetzt noch zur Läuferparty? Na ja, mal schauen. Auf jeden Fall noch mal ins Zelt und noch was zu essen und zu trinken besorgen. Die Stimmung war schon gut, also erst mal ein wenig im Zelt rumgelaufen und ein schönes Eckchen gesucht, war natürlich schon alles voll. Aber auch wenn man alleine auf die Party geht, man ist nicht lange alleine. Und so wurde ich von ein paar Läufern aus dem Harz schon kurz drauf mit auf die Bierbank zum Mitschunkeln geholt. Also doch noch ein wenig Party machen. Aber so gegen 21:00 setzte sich dann doch so langsam die Müdigkeit durch und ich machte mich auf den Rückweg nach Vesser, was erstaunlich gut ging. Dort angekommen ging es dann aber gleich zur Nachtruhe, allerdings merkte ich da schon, dass sich die Erkältung jetzt mit zunehmend laufender Nase ankündigte und durchzusetzen begann. Am nächsten Morgen nach einem guten Frühstück gleich auf den Weg nach Hause gemacht, zum Glück nur ~130km. Die Erkältung hatte mich jetzt eindeutig erwischt, einschließlich leicht erhöhter Temperatur.
Fazit: Lauftechnisch keinerlei Nachwehen, kein Muskelkater, keine Blasen gelaufen, selbst an meinen üblichen Problem-Zehen zeigten sich keine Anzeichen etwa von blauen Fußnägeln, wie sonst gerne mal. Soweit alles super. Dafür die nächsten beiden Tagen erstmal mit Erkältung größtenteils flachgelegen, so langsam ist sie jetzt nach einer Woche wieder abgeklungen. Aber den Supermarathon werde ich auf jeden Fall mal wieder in Angriff nehmen, die Anfangs genannten Ziele sollten machbar sein.

Obermain Marathon Apr. 2018

Sonne küßt den Gottesgarten

… so hieß es von einem „Offiziellen“ (ich glaube es war der Bürgermeister) zur Begrüßung der Läufer am Start des Obermain Marathons in Bad Staffelstein. Ganz so heftig hätten die Liebkosungen meiner Meinung gar nicht ausfallen müssen, wurde es doch auf der Strecke im Verlauf ziemlich warm, zumal der größte Teil ohne Schatten ist und man die Wärme ja auch noch nicht wirklich gewöhnt ist.
Aber zunächst ging es bei angenehmen Temperaturen los, aus Bad Staffelstein hinaus und schon bald in die ersten Steigungen Richtung Kloster Banz. Da man sich dem Kloster von oben durch den Wald am Klettergarten vorbei nähert, eröffnet sich dann irgendwann ein schöner Blick auf die vor einem liegende Anlage. Danach geht es dann erstmal wieder bergab runter zum Main und eine Zeitlang durch die Wiesen, wo man dann auch auf die Halbmarathonläufer trifft und eine Stück mit ihnen zusammen läuft. Der nächste Anstieg führt an der Basilika Vierzehnheiligen vorbei und dann hinauf auf das Staffelbergplateau. Aufgrund des schönen Wetters waren hier auch einige „normale“ Ausflügler und Radfahrer unterwegs, es wurde aber nie eng. Spätestens jetzt merkte man aber auch die „Sonnenküsse“. Nach einer Runde auf dem Staffelberg mit herrlichen Ausblicken in nahezu alle Richtungen geht es zunächst wieder auf dem gleichen Weg zurück, bis man mit dem „alten Staffelberg“ die letzte größere Steigung bezwingen muss. Ab da geht es im wesentlichen bergab, leider auch mit den Reizen der Strecke. Die letzten km ziehen sich dann doch ziemlich (parallel zur Bahnstrecke, Gewerbegebiet) bis es dann endlich durch den Kurgarten und auf die Zielgerade im städtischen Stadion geht.
War wie im letzten Jahr trotz der Temperaturen ein wunderschöner Landschaftslauf, einfach sehenswert. Wäre zwar gerne unter den 4h geblieben (Zielzeit 4:07:20), aber dafür hab ich unterwegs wieder ein paar Fotos geschossen.

P.S.: Ganz am Ende des Beitrages noch das zugehörige „Relive“-Video dieses Laufes.

 

1. Fürther Indoor-6h-Lauf

Eigentlich war es der 8. Welt-Down-Syndrom-Tag Marathon. Aufgrund des ergiebigen Schneefalls in der Nacht (wohl mind. 10cm) wurde dem Laufclub 21 die Erlaubnis für die Durchführung der Veranstaltung auf den Wegen rund um das Vereinsgelände des TV Fürth 1860 aber von Polizei und Stadt entzogen. Und wer sich über die vereisten und verschneiten Straßen bis dort hin gekämpft hatte, konnte diese Entscheidung wohl gut nachvollziehen und mußte sie denke ich begrüßen. Das Sturz- und Verletzungsrisiko wäre viel zu hoch gewesen. Damit aber trotzdem eine Laufveranstaltung durchgeführt werden konnte, wurde diese kurzerhand nach drinnen in die Sporthalle verlegt. Auf etwa 2/3 der Halle wurde eine 75m lange (oder besser kurze) Runde eingerichtet, einschließlich Verpflegungstelle und Rundenerfassung. Sogar der Start konnte wie geplant gegen 9:00 über die Bühne gehen. Tolle Leistung aller Beteiligten!
Natürlich war es etwas eng auf der Strecke und man konnte sicher nicht sein gewohntes bzw. gewünschtes Tempo laufen, aber alles lief sehr rücksichtsvoll und gut organisiert ab. Nach jeder Stunde wurde die Laufrichtung gewechselt. Dazu wurde das Feld in einer von Willi Wahl (Vizepräsident Breitensport im BLV, er sorgte auch für die Moderation der Veranstaltung) angführten „Polonaise“ zur Rundenhälfte um einen Wendepunkt geleitet und entgegen der bisherigen Laufrichtung neben den entgegenkommenden Läufern wieder auf die Runde geführt. Klappte jedes mal wie am Schnürchen. Zwischendurch wurden dann auch noch die geplanten Kinderläufe durchgeführt und die Läufer die eigentlich am Halbmarathon, 10km oder 6km-Lauf teilnehmen wollten, in das Läuferfeld eingeschleust. Natürlich war hier keine exakte Streckenlänge zu kontrollieren, jeder lief halt solange er wollte. Nach 6h ertönte dann für alle das Schlusssignal. Auf die Messung der Restmeter wurde dieses mal großzügig verzichtet.
Alles in allem eine gelungene Veranstaltung, die sicher keiner der dabei war so schnell vergessen wird und trotz allem auch Spaß gemacht hat. Etwas enttäuscht bin ich nur von meiner eigenen Leistung, habe es in den 6h nur auf ein wenig mehr als einen Marathon gebracht (584Runden=43,7 km), ein bisschen mehr hatte ich mir schon erhofft (nach ~58km im letzten Jahr, allerdings draußen auf einer deutlich längeren Runde mit mehr Platz). Aber es war wahrscheinlich trotzdem die beste und sicherste Möglichkeit an diesem Tag einen langen Trainingslauf zu machen. Nochmals Danke und Respekt allen die an der Organisation und Durchführung der Veranstaltung beteiligt waren.

24h-Lauf Dettenhausen 2017

Projekt Geburtstagslauf: statt einfach nur einen Lauf am Geburtstag zu absolvieren (was ich schon lange mal vorhatte), bot sich in diesem Jahr die Gelegenheit, in den Geburtstag hinein zu laufen. Aber dazu mußte es ein 24h-Lauf werden…

Eindrücke vom 24h-Lauf Dettenhausen 2017

Am vergangenen Wochenende hab ich in Dettenhausen (zwischen Stuttgart und Tübingen) mein Debüt bei einem 24h-Lauf gegeben. Eine sehr schön organisierte familiäre Veranstaltung, bei der viele Staffeln aber auch zahlreiche Einzelläufer an den Start gingen.
Am Samstag um 10:00 ging es zum ersten mal auf die 1,6km lange Runde. Diese führt vom Sportgelände des VfL Dettenhausen zunächst auf einer Straße eine leichte Steigung hinauf Richtung Wald und zum Schützenhaus, dann über einen teilweise mit Rindenmulch belegten Weg am Waldrand entlang, schließlich vorbei an Wohnhäusern und einem kleinen Gewerbegebiet wieder zurück zum Sportgelände, wo entlang der Strecke die zahlreichen Zelte, Wohnmobile und Verpflegungstische der Teilnehmer aufgebaut sind. Während der Nacht ist die Strecke gut ausgeleuchtet. Die einzelnen Streckenabschnitte sind mit entsprechenden originellen Namen versehen (siehe Fotos).
Da ich zum ersten mal über so eine Distanz gehen wollte (bislang höchstens 6h-Läufe), war ich schon gespannt, wie das ganze wohl ablaufen wird. Obwohl ich mich bemüht habe, langsam zu laufen und auch deutlich unter meinem üblichen Marathon-Tempo lag, war es wohl doch immer noch zu schnell. Der erste Marathon war schon nach 4:55h abgehakt, für den zweiten waren es dann schon über 7h. Gegen 2:00 Uhr hatte ich mein Hauptziel erreicht, die 100km waren voll (zumindest nach meiner Laufuhr). Da die Beine doch schon recht schwer waren und die letzten 2-3 Runden schon mehr schwerfälliges gehen als laufen waren, erst mal etwas ins Zelt gelegt und versucht auszuruhen. Wirklich schlafen war mir nicht möglich, da der Laufbetrieb um einen rum ja weiterging. So gegen 5:00 wieder hoch und raus aus dem Zelt (das Aufstehen viel gar nicht so schwer) und zurück auf die Strecke. Allerdings wurde aus dem Laufen recht bald wieder ein Gehen, und so habe ich das ganze für mich um ca. 6:30 beendet, nach offiziell 65 Runden und 107,5km. Dafür konnte ich dann in Ruhe ohne großen Andrang eine heiße Dusche genießen und noch etwas im Zelt dösen. Kurz vor dem offiziellen Ende um 10:00 wurde dann der Zielkanal gesperrt und alle Läufer im Start-Ziel-Bereich gesammelt. Dann ging es zum Abschluss gemeinsam auf eine letzte kleine Runde über das Sportgelände, fast so etwas wie eine Ehrenrunde. Ein schöner Abschluss meines bestimmt nicht letzen Laufes in Dettenhausen.

Obermain Marathon 2017

Nachdem mir die Pause zwischen dem letzten Lauf Mitte März und dem nächsten Ende April ein wenig lang wurde, hatte ich relativ kurzfristig beschlossen, beim Obermain Marathon in Bad Staffelstein an den Start zu gehen. Und es hat sich auf jeden Fall gelohnt. Ein wunderschöner Landschaftslauf durch den sogenannten Gottesgarten am Obermain, allerdings mit einigen Anstiegen versehen. Bereits wenige km nach Bad Staffelstein geht es hinauf zum Kloster Banz, danach durch den Wald wieder hinunter zum Main, welcher auf einem Wehr überquert wird. Vorbei an Seen und durch Wiesen und Felder geht es dann erst mal ein wenig flacher dahin. Man sieht allerdings schon die nächsten Ziele und Herausforderungen auf sich zukommen: stetig bergauf geht es zunächst zur Basilika Vierzehnheiligen und dann dem „Höhepunkt“ des Laufes entgegen, dem Staffelberg. Auf dessen Plateau wird eine Runde gedreht, mit herrlichen Ausblicken in das zu Füßen liegende Obermaintal, leider am Sonntag ein wenig diesig. Und dann hat man auch schon das Schlimmste und gut die Hälfte des Laufes hinter sich. Von da an geht es bis auf ein paar Wellen größtenteils bergab über die Dörfer wieder Bad Staffelstein entgegen. Die letzten Kilometer ziehen sich ein wenig, teilweise an der Bahnstrecke entlang, teilweise Gewerbegebiet. Aber irgendwie müssen ja die 42km zusammenkommen (so hat man zumindest das Gefühl). Zuletzt noch durch den Kurpark dem Ziel im Städtischen Stadion entgegen. Alles in allem ein absolut empfehlenswerter Lauf. Da ich zum ersten Mal beim Laufen auch eine kleine Kamera dabei hatte, gibt es auch ein paar Foto-Impressionen.

P.S.: Zur gleichen Zeit fand in Bad Staffelstein die Lichtinstallation „Bad Staffelstein leuchtet“ statt. Nach der Startnummernabholung am Vorabend auch dieses Ereignis noch mit der Kamera festgehalten. Die Bilder gibt es hier.

München Marathon 2016

Ist zwar jetzt schon wieder 2 Wochen her, trotzdem noch ein Bericht von meinen Eindrücken vom München Marathon.

Nachdem meine bisher 4 Starts in Frankfurt trotz der sehr schnellen Strecke teilweise eher zu meinen langsameren Ergebnissen gehören, hab ich mich für dieses Jahr nach einem anderen Herbstmarathon umgeschaut: meine Wahl fiel auf München. So ein Zieleinlauf im Olympia-Stadion hat doch sicher auch was, dachte ich mir.
Also Samstag Nachmittag auf den Weg in die Landeshauptstadt gemacht, Hotel kurz nach 17:00 erreicht und nach dem Einchecken von dort (ca. 20min zu Fuß) bei tiefgrauem Himmel erstmal zum Olympiapark und dort zur Olympiahalle die Startunterlagen abholen. Abholung war innerhalb kürzester Zeit erledigt, keine Schlangen und auch sonst sehr wenig los auf der Marathonmesse. Noch ein wenig umgeschaut (leider keine Nudelparty) und auf dem Rückweg noch kurz den Olympiaberg erklommen.
Am nächsten Morgen beim Blick aus dem Hotelzimmer zwar Sonnenschein, aber auch ein Olympiaturm, der sich zunehmend im Nebel versteckt. Auf dem Weg zum Start verzieht sich der Nebel aber mehr und mehr und die Sonne gewinnt deutlich die Oberhand: bei kühlen Temperaturen somit optimale Laufbedingungen. Die erste Panne aber schon bei der Startaufstellung: eigentlich wollte ich irgendwo zwischen den Zugläufern für 3:30 und 3:45 starten, hab versucht mich dementsprechend in der zweiten Hälfte des Startblocks B einzuordnen. Wie dann aber die Zugläufer in die Startaufstellung kommen, stelle ich fest, daß ich die Startblockmarkierungen wohl irgendwie falsch interpretiert habe (Ende statt Anfang des Blocks!?). Jedenfalls finde ich mich kurz vor dem 4h-Läufer wieder. Mittlerweile ist es natürlich auch viel zu voll um noch deutlich nach vorne zu kommen. Wenigsten komme ich noch innerhalb des zweiten Blockstarts über die Startlinie. Jetzt heißt es sich erstmal ein wenig „freizuschwimmen“ und ein eigenes angenehmes Tempo zu finden. Die Frage ist nur laufen lassen oder sich selbst einbremsen. Letzendlich ist es dann doch eher ein laufen lassen.
Die Stimmung an der Strecke ist gut, ein erstes Highlight dann etwa bei km 5, wo man die Leopoldstraße entlang auf das Siegestor zuläuft, auch wenn man zunächst noch kurz vor dem Tor wieder umkehrt. Weiter geht’s Richtung Englischer Garten. Den 3:45er Zugläufer habe ich schon längst hinter mir gelassen und im Englischen Garten erreiche ich dann auch die 3:30er Gruppe. Gemeinsam geht es durch den Park, die Polizei grüßt zwischendurch hoch zu Roß, insgesamt ein eher ruhiger Streckenabschnitt. Fast ein wenig wie ein Landschaftslauf. Nach überqueren der Isar (etwa km 15,8) geht es dann zunächst mal aufwärts nach Oberföhring. Lasse mich in der Gruppe hinaufziehen und komme dabei auch immer weiter nach vorne.
Irgendwann aber wird es mir dort aber zu eng. Man läuft immer wieder auf langsamere Gruppen auf, auf einer Seite wird die Strecke durch das erhöhte Gleisbett der Straßenbahn eingeengt und so muß man ständig aufpassen, niemandem in die Hacken zu treten und ist immer auf der Suche nach der passenden Lücke. Also entschließe ich mich etwa zur Hälfte der Strecke zur Flucht nach vorne. Zunächst noch zögerlich, da ich mich aber noch sehr gut fühle, gebe ich meine Zurückhaltung auf, vielleicht geht ja was Richtung persönlicher Bestzeit (3:25): wenn nicht heute, wann dann! Der Zuspruch an der Strecke kommt mir zwar etwas dürftig vor, trotzdem laufe ich ab km 25 die nächsten 10km fast wie im Rausch: man holt Läufer um Läufer ein, hat immer wieder jemanden vor sich, an den man sich ransaugen kann. Zeiten von knapp über 4:40 min/km sind die Folge. Aber eines ist klar, das wird sich noch rächen.
Bei km 29 hat man zum zweiten Mal die Isar überquert und läuft am Deutschen Museum vorbei, es geht wieder Richtung Innenstadt. Am Viktualienmarkt auch wieder eine nennenswerte Zuschauergruppe, noch ein paar mehr am Marienplatz, die sich sogar zu einer kleinen La-Ola-Welle animieren lassen. Weiter geht’s auf der Sightseeingtour: Residenz, Feldherrenhalle, Odeonsplatz um dann in das Museumsviertel abzubiegen. Neue Pinakothek, Alte Pinakothek, Glyptothek, Königsplatz. Eine schöne Strecke, aber so langsam fallen die km schwerer. Ein bisschen mehr anfeuernde Zuschauer wären jetzt nicht schlecht. Dies wird erst wieder rund um das Siegestor besser. Die letzten 5km werden dann wie erwartet noch ziemlich hart. Die km-Zeiten steigen über die 5min-Marke. Kurz vor dem Olympiapark überholt mich dann auch die 3:30er Gruppe. Aber was soll’s, bin ja einiges hinter denen gestartet. Dann endlich durch den Marathon-Tunnel (mit Musik und Lichteffekten) der Einlauf ins Olympiastadion, die Stadionrunde kommt mir wie eine kleine Ewigkeit vor. Nach 3:28:55 überquere ich die Ziellinie. Wenigstens noch die „sub 3:30“ ins Ziel gerettet.
Was bleibt an Eindrücken: Eine wie ich finde schöne Strecke mit insbesondere im letzten Drittel vielen Sehenswürdigkeiten (wenn man dann noch ein Auge dafür hat). Zuschauer könnten teilweise etwas mehr sein, aber bisher habe ich noch keinen Lauf erlebt, bei dem es nicht auch „tote“ Abschnitte gibt. Die Architektur des Olympiageländes finde ich immer noch faszinierend, was schon beim Start für eine besondere Stimmung sorgt. Der Zieleinlauf ins asphaltierte Stadion ist weniger spektakulär als erhofft. Die Zielverpflegung allerdings ist sehr gut. Kann man auf alle Fälle mal wieder mitlaufen.

Rennsteig 2016

Diesen Weg auf den Höhen…

42,195 km, 769 Höhenmeter Anstiege und 844m wieder runter (offiziell), nach 4:01:10 im schönsten Ziel der Welt, in Schmiedefeld.

Herzlichen Glückwunsch an alle, die heute auch auf dem Rennsteig oder woanders unterwegs waren und viel Spaß allen, die morgen noch einen Lauf vor sich haben.

Fränkische Schweiz Marathon 2015

Kurzer Bericht zum 16. Fränkische Schweiz Marathon (FSM) vom 06.09.2015

Am Sonntag stand für mich mal wieder der FSM auf dem Plan. Meine 6. Teilnahme an diesem Lauf, die erste war 2005, die bislang letzte 2011. Der FSM ist am Sonntag sozusagen in seine 3. Phase gestartet: Fand am Anfang noch ein jährlicher Wechsel zwischen Forchheim und Ebermannstadt als Start- bzw. Zielort statt, war dann für einige Jahre der Start fest in Forchheim und das Ziel entsprechend in Ebermannstadt. Nun also ist Ebermannstadt sowohl Start- als auch Zielort, und Forchheim wird gar nicht mehr angelaufen. Man spart sich damit ein paar der etwas weniger interessanten km durch Gewerbegebiete und den Anfang des Wiesenttals und läuft stattdessen etwas tiefer in „die Fränkische” hinein. Landschaftlich hat der Lauf dadurch sicherlich gewonnen, leichter ist er damit aber nicht geworden. Allerdings konnte damit auch erstmals ein 10km-Lauf und ein Halbmarathon mit ins Programm aufgenommen werden.
Bei kühlen 8°C ging es am Sonntagmorgen also nach Ebermannstadt (meine Startunterlagen hatte ich mir Samstag schon abgeholt), wo ich mich am Marktplatz mit Andreas getroffen habe. Für ihn war es die erste Teilnahme am FSM. Gemeinsam ging es dann zur Kleiderbeutelabgabe in der Nähe des Startbereichs. Nach dem Start der Handbiker und der Skater (schon beeindruckend, wie schnell die nach dem Start auf Geschwindigkeit kommen) waren dann wir Marathonis an der Reihe. Zunächst führte die Strecke bei doch merklichem Wind 5km in Richtung Forchheim bis zur Wende bei Weilersbach, dann wieder zurück nach Ebermannstadt. Habe mich kurz nach dem Start der 3:30-Läufergruppe angeschlossen, zunächst um sie als Bremsläufer zu benutzen, später dann als Zugläufer, bevor ich dann irgendwann doch leider abreißen lassen musste. Trotzdem vielen Dank an die beiden Zugläufer vom Stadtmarathon Würzburg, hat Spaß gemacht mit der Gruppe zu laufen.
Bereits kurz nach dem Start kamen einem die Handbiker und etwas später auch die Skater wieder entgegen, in einem teilweise atemberaubendem Tempo. Das gleiche wiederholte sich dann später noch mal auf dem Weg zur zweiten Wende (auch ein Vorteil der geänderten Streckenführung, man bekommt mehr von den anderen Disziplinen mit). Die nächste Begegnung fand dann auf dem Rückweg von der ersten Wende statt, dieses mal waren es die 10km-Läufer die uns entgegen kamen. So ging es wieder nach Ebermannstadt hinein und auch hindurch, das Wiesenttal hinauf, gut versorgt mit zahlreichen Verpflegungsstellen. Vorbei an der zum festen Programm dieses Laufes gehörenden Sambatänzerin in Streitberg, der Burgruine Neideck, weiter nach Muggendorf. Über den ehemaligen Wendepunkt an der Sachsenmühle und die Stempfermühle wurde in stetem auf und ab der zweite Wendepunkt bei Behringersmühle angesteuert (liebe Zugläufer, kann es sein, dass die 1-2km vor der Wende etwas zu schnell waren ;) ). Zwischendurch kam dann auch noch ein Zug der Museumseisenbahn vorbeigerattert. Der Himmel blieb grau und wolkenverhangen, als Läufer ganz angenehm, für die Optik wäre ein wenig Sonne aber natürlich auch schön gewesen. Aber wenigstens hat es nicht geregnet.
Bei Behringersmühle also dann kehrt und das ganze wieder zurück, mit um 180° gedrehter Perspektive. An der Halbmarathonwende stießen wir dann auch auf die ersten HM-Läufer, den zu diesem Zeitpunkt zweit- und drittplatzierten. Ja, und an der Steigung zwischen km 31 und 32 ist es dann passiert, ich konnte das Tempo der Gruppe nicht mehr halten und musste abreißen lassen. Die restlichen km waren dann doch recht hart und ich musste schon etwas mit mir kämpfen. Das Feld um einen herum füllte sich mit den HM-Läufern, in Streitberg wartete wieder die Sambatänzerin (warum muss man dort auf dem Rückweg eigentlich immer diesen blöden Schlenker mit der Steigung hochlaufen?) und bei km 40 noch der Gasseldorfer Berg. Nach 3:40 bin ich dann geschafft aber glücklich über die Ziellinie gelaufen. Mit der Zeit bin ich letztlich aber zufrieden, bin ich doch nach dem letzten Marathon im Juni (Metropolmarathon Fürth, 3:25) gerade mal rund 70km gelaufen, ein Tribut an die lang anhaltende Hitzewelle. Dann nach kurzer Rast den Kleiderbeutel wieder abholen und ab zum Duschen, dazu leider noch mal einen Berg hoch, aber wenigstens waren die Duschen schön warm (was ja nicht immer gegeben ist).
Insgesamt ein nicht nur landschaftlich schöner, gut organisierter Lauf, der durch die Streckenänderung noch dazugewonnen hat. Leider kollidiert der Termin am ersten Septemberwochenende häufig mit meinen Urlaubsplanungen. Aber wenn’s passt, bin ich auf jeden Fall wieder mal dabei.

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